Neues vom Zeppelin NT vom 3. Mai 2001
(Anlage zum Mitgliederrundschreiben vom 02.05.2001)
Seit unserem letzten Bericht wurden weitere 57 Testflüge absolviert, so dass jetzt insgesamt 890:40 Flugstunden während 254 Flügen geleistet wurden. Alle Systemtests wurden durchgeführt, nur einige wenige müssen mit dem zweiten Luftschiff wiederholt werden, da einige geringfügig geändert wurden. Bei den letzten Flügen wurden vor allem die Folgen von Ausfällen eines und zweier Antriebe während des Fluges und der Landung untersucht. Auch der sichere Abstieg ohne Motoren wurde geprobt.
Das Übersteigen der Prallhöhe war ein wichtiger Versuch, dabei sprechen die automatischen Überdruckventile an und lassen Helium entweichen. Das Luftschiff muss dann ohne den sonst üblichen Innendruck sicher gelandet werden können. Dieses Manöver ist bei den Prall-Luftschiffen, also ohne Unterstützung durch eine starre Struktur (Gerippe), nicht möglich. Dies ist ein ganz wichtiger Vorteil des Zeppelin NT im Vergleich mit den Prall-Luftschiffen (amerik.: Blimps).
Außerdem wurden die Folgen von Steuerungsfehlern, die zum unkontrollierten Verhalten der Propellerblattverstellung und/oder der Schubvektorsteuerung (Schwenken der Propeller) führen, untersucht.
Alle Tests verliefen erfolgreich.
Am 07.11.00 wurde ein Testflug mit der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post durchgeführt. Hierbei wurde das Luftschiff als Messplattform zum Orten von Störern von Satellitenfunkanlagen genutzt. Die Auftraggeber waren mit den gewonnen Messergebnissen sehr zufrieden.
Ein aufsehenerregender Flug erfolgte am 8. Februar 2001. Das Luftschiff hatte illustre Fluggäste an Bord: Den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Erwin Teufel, den Verkehrs- und Umwelt-minister von Baden-Württemberg Ulrich Müller und den Oberbürgermeister der Stadt Friedrichs-hafen Dr. Bernd Wiedmann. Der Flug führte während 50 min über Meersburg zur Insel Mainau nach Konstanz und zurück nach Friedrichshafen. Ministerpräsident Teufel gab zu, dass er vom Erfolg des Zeppelin NT-Projektes am Anfang keineswegs überzeugt gewesen wäre, jedoch hat ihn nun der ruhige Flug über dem Bodensee begeistert, und er sagte: " Ich bin sicher, dass der neue Zeppelin zu einer ganz großen touristischen Attraktion wird".
Als nächster prominenter Fluggast sollte der Bundeskanzler Gerhard Schröder am 23. Februar 2001 mit dem Zeppelin NT fliegen. Jedoch war das Wetter so schlecht (tiefhängende Wolken, Schneeregen und starker Wind), so dass der Flug nicht stattfinden konnte. Dadurch konnte Kanzler Schröder nur das Luftschiff und die Werft besichtigen.
Am 19.02.01 wurden die Nachweisflüge für Nachtflüge unter Sichtflugbedingungen erfolgreich abgeschlossen.
Neben den Testflügen wurden eine ganze Reihe von Ausbildungsflügen absolviert. Am 01.12. 00 trat Herr Hans Paul Ströhle, der bereits ca. 1500 Stunden auf amerikanischen Blimps (Prall-Luftschiffen) als Pilot geflogen ist, in die Dienste der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH. Er und einige andere Piloten machen zur Zeit den Lehrgang für die deutsche Berechtigung zum Führen eines Luftschiffes und ihre Typschulung für den Zeppelin NT N07.
Am 12.03.01 trat Herr Russel Mills als Luftschiffpilot in die Dienste der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH. Er ist Engländer und hat schon 2800 Stunden Flugerfahrung auf Prall-Luftschiffen. Zur Zeit erhält er die Typschulung auf den Zeppelin NT.
Eine größere Aktion war der Flug nach München zur internationalen Baumaschinen Ausstellung BAUMA, wo für die Zeppelin GmbH Demonstrationsflüge durchgeführt wurden. Das Luftschiff war vom 2. bis 9. April auf dem Flughafen Augsburg am mobilen Mast stationiert. Obwohl das Wetter sehr unfreundlich war, konnte bis auf 6. April an jedem Tag ein Demonstrationsflug über der Bauma durchgeführt werden. In der Nacht vom 04. auf 05.04.01 kam ungewöhnlich schnell und ohne eine entsprechende Wettervorhersage ein Sturm von ca. 90 km/h auf, der aber von der Mannschaft ohne Beschädigung des Luftschiffes gemeistert werden konnte. Die Landung nach der Rückkehr nach Friedrichshafen erfolgte bei 22 km/h Windgeschwindigkeit ohne Probleme.
Ein großer Tag für die ganze Belegschaft der Zeppelin Luftschifftechnik war der 26. April. Anlässlich der Eröffnung der diesjährigen Luftfahrtausstellung AERO in Friedrichshafen überreichte der Direktor des Luftfahrt-Bundesamtes, Herr Ulrich Schwierczinski, die Baumusterzulassung für den Zeppelin NT N07 und die Zulassung der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH als luftfahrttechnischer Herstellungsbetrieb. Beide Zulassungen sind wesentliche Voraussetzungen für die von uns so ersehnte gewerbliche Passagierbeförderung. Der nächste Schritt ist die Zulassung der neu gegründeten Deutschen Zeppelin Reederei GmbH als Luftverkehrsbetrieb.
Während der AERO beteiligte sich das Luftschiff täglich an der Luftfahrtschau und demonstrierte seine hervorragende Manövrierfähigkeit.
Bei folgenden Flügen wurde Kinderdorf Flugpost mit dem Zeppelin NT befördert:
- 18.12.2000 Dritte Zeppelin NT Weihnachtspost Friedrichshafen - Altenrhein
- 02.04.2001 Friedrichshafen - München - Augsburg
- 29.04.2001 Demonstrationsflug AERO Friedrichshafen - Friedrichshafen
Die Belege können beim Flugpostkurier Wahlwies, Pestalozzi Kinderdorf, D 78333 Stockach bestellt werden.
Der Zeppelin NT Nr. 2 ist inzwischen fertiggestellt und wird in den nächsten Tagen seine Erprobung am Mast beenden, um dann in ca. 1 Woche seinen Erstflug zu machen. Mit ihm wird die Deutsche Zeppelin Reederei ihre Passagierbeförderung aufnehmen. Der Zeppelin NT Nr.1, die FRIEDRICHSHAFEN, wird zunächst für Pilotenausbildung, weitere Nachweisflüge für die Instrumentenflugberechtigung, Demonstrationsflüge, wissenschaftliche Messflüge und Werbung, also Missionen ohne Passagierbeförderung, eingesetzt.
Wir können also nun zuversichtlich auf die touristischen Rundflüge über der östlichen oder westlichen Bodenseeregion im Sommer dieses Jahres hoffen.
Wolfgang v. Zeppelin
3. Mai 2001
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