Neues vom Zeppelin NT: 04.12.2000
Nicht nur die Tauffeierlichkeiten beschäftigten die ZLT. Der Zeppelin NT unternahm in der letzten Zeit einige bemerkenswerte Flüge.
Vom 21.bis 26.06.00 fand in St. Gallen / Schweiz die Nationale Briefmarkenausstellung (NABA 2000) statt, und der 24.06.00 war der Tag der Aerophilatelie. Die Schweizer Post brachte aus diesem Anlass einen speziellen Beleg heraus, der mit dem schönen NABA-Block frankiert war. Dieser sollte in Kooperation mit der Kinderdorf Flugpost als erste postamtliche Zeppelinpost nach über 60 Jahren von St. Gallen zum Birrfeld, einem Sportflugplatz ca.20 km westlich von Zürich, befördert werden. Als der Zeppelin NT um die Mittagszeit aus der Halle gebracht wurde standen schwere Regenwolken am Himmel. Um 11.30 Uhr startete das Luftschiff unter dem Kommando von Scott Danneker und flog über St. Margarethen nach St. Gallen. Trotz starker Böen und Schauern erfolgte die Landung auf dem Breitfeld planmäßig. Punkt 14.00 Uhr setzte der Zeppelin NT auf den Meter genau auf, obwohl als Bodenmannschaft nur der Groundchief Michael Cirpka anwesend war. In wenigen Minuten wurde die Post eingeladen und das Luftschiff hob wieder ab zu seinem Flug zum Birrfeld, wo er um 16.00 Uhr die Post ablieferte; dann flog es wieder zurück nach Friedrichshafen. Für die Briefmarkensammler hat sich die Geschichte ihres interessanten Sammelgebietes nach über 60 Jahren hiermit eindrucksvoll fortgesetzt.
Nur 11 Tage nach der Taufe ging der Zeppelin NT auf seine bisher weiteste Tour.
Er startete am 13.07.00 um 07.00 Uhr in Friedrichshafen. Wieder hatte er wichtige Post an Bord. Am Starttag gab der Bundesminister für Finanzen das Sonderpostwertzeichen 100 Jahre Zeppelin heraus. Die Deutsche Post AG schuf in Zusammenarbeit mit der Kinderdorf Flugpost einen Ersttagsbrief für diese Briefmarke als erste offizielle deutsche Zeppelinpost seit den 30iger Jahren. Dieser Ersttagsbrief ist Bestandteil der Jubiläums Edition "Das Jahrhundert der Zeppeline" der Deutschen Post und des Flugpostprogrammes der Kinderdorf Flugpost. Das Luftschiff flog über Ravensburg - Biberach - Ulm - Geislingen - nach Kirchheim unter Teck und landete pünktlich um 09.30 Uhr auf dem Flugsportplatz Hahnweide, wo die Post ausgeladen wurde. Ursprünglich sollte die Post nach Echterdingen gebracht werden, jedoch war auf dem Flughafen Stuttgart/Echterdingen wegen Bauarbeiten kein Platz für die Luftschifflandung. Die Landung wurde nur von dem Piloten Dominique Manière am Boden unterstützt. Vor dem Start stieg er dann noch zusätzlich zu Chefpilot Scott Danneker, Copilot Fritz Günther und Flugversuchsingenieur Klaus Strasser in die Gondel ein. Weiter ging der Flug über Stuttgart / Echterdingen - Mühlacker - Speyer - Mainz - Koblenz nach Bonn/Hangelar, wo der Zeppelin NT um 17.20 Uhr landete. Das Mastfahrzeug, das Tankfahrzeug und der Werkstattwagen waren auf der Autobahn nach Bonn gefahren. Das Luftschiff hat sich in der Geschwindigkeit durch viele Schleifen dem Tross angepasst. So betrug die Flugzeit 10:20 Stunden.
Am 15.07.00 machte der Zeppelin NT im Auftrag der ZF Friedrichshafen AG einen Demonstrationsflug zum Nürburgring, wo ein Truckrace stattfand, um dort für ZF-Produkte zu werben.
Am 17.07.00 flog das Luftschiff von Bonn/Hangelar über Düsseldorf nach Essen/Mülheim, wo die Werft der Westdeutschen Luftwerbung überflogen wurde. Weiter ging es über Lüdenscheid, wo der Aluminiumhersteller Carl Berg die ersten Träger des LZ 1 baute und über Werdohl, der Heimat von Carl Berg und seinem Schwiegersohn Alfred Colsman, dem Generaldirektor der Luftschiffbau Zeppelin GmbH (1909 - 1929). Als nächste Städte wurden Soest - Beckum - Gütersloh - Hannover besucht bevor in Braunschweig die Landung erfolgte. Dort wurde die Besatzung besonders herzlich von den Angehörigen des Luftfahrt-Bundesamtes begrüßt.
Am nächsten Tag war wegen des schlechten Wetters nur ein lokaler Flug möglich, der zum Umsetzen des Mastes genutzt wurde.
Einen großen Auftritt hatte der Zeppelin NT dann am 21.07.00 auf der EXPO 2000 in Hannover, wo der Baden-Württemberg-Tag begangen wurde.
Am Tag darauf wurden Antennenversuche in der Umgebung von Braunschweig durchgeführt.
Dann folgte der Abschied von Braunschweig und das Luftschiff flog über Hamburg und Bremen nach Nordholz. Dabei wurden Versuche mit radargestütztem Anflug durchgeführt. Nordholz war ein wichtiger Luftschiffhafen der Marine während des 1. Weltkrieges und heute ist das Geschwader GRAF ZEPPELIN der Bundesmarine dort stationiert.
Der nächste Tag war besonders wichtig. Das Luftschiff flog entlang der ostfriesischen Inseln bis zur niederländischen Grenze, um den Transponderbetrieb zu erproben. Dabei ergab sich, dass die Radarerkennungssignale bis zu einer Distanz von 180 km sicher übermittelt wurden, was außerordentlich zufriedenstellend ist.
Am nächsten Tag wurden die Leistungen des Luftschiffes bei Start und Landung erprobt. Dabei wurden 23 Starts und Landungen problemlos bewerkstelligt. Die Piloten und Versuchsingenieure hatten sich für diese Versuche die an der Nordseeküste häufigen starken Winde gewünscht, die aber gerade in diesen Tagen ausblieben.
Am 29.07.00 führte der Testflug von Nordholz über Flensburg, der Heimatstadt von Dr. Hugo Eckener, - Kiel - Brunsbüttel. Die Erprobung der maximalen Steigfähigkeit und die "110h-Dauerleistung" der Antriebsstränge mit verschiedenen Einstellungen standen dabei auf dem Versuchsprogramm.
Am folgenden Tag wurde Abschied genommen von den freundlichen Soldaten der Bundesmarine und es ging über Lüneburg - Gorleben - Nauen - Staaken - Berlin-Schönefeld nach Brand (60 km südlich Berlin), wo die fast fertige riesige Luftschiffhalle der CargoLifter AG umrundet wurde. Nach 8 Stunden erfolgte die Landung in Magdeburg.
Magdeburg wurde angeflogen um die in Cochstedt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) aufgebauten Spezialmessgeräte zur Erfassung und Auswertung der Geräuschemissionen des Luftschiffes zu nutzen. Diese Messungen wurden am Tag darauf vorgenommen. Die gemessenen Geräuschpegel liegen deutlich unter den vorgeschriebenen Werten.
Der Heimflug erfolgte am 01.08.00 über den Harz nach Erfurt - Eisenach - Fulda - Würzburg - Rothenburg o. d. T. - Dinkelsbühl - Ulm - nach Friedrichshafen, wo um 18.35 Uhr die Landung stattfand und der Zeppelin NT von dem gesamten Team der ZLT begeistert begrüßt wurde. Der Heimflug war mit 12:35 Stunden der bisher längste Flug des Zeppelin NT. Insgesamt hat das Luftschiff in 76:20 Flugstunden ca. 4300 km während der Deutschland-Tour zurückgelegt.
Am 25.09.00 flog das Luftschiff von Friedrichshafen nach Mainz-Finthen, wo es bis zum 29.09. stationiert war, um sich im Auftrag der ZF Friedrichhafen AG bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zu zeigen.
Inzwischen hat das Luftschiff insgesamt 795:35 Flugstunden und 217 Flüge geleistet.
Hier werden die Postflüge chronologisch aufgelistet.
- 24.06.00 NABA 2000: St. Gallen - Birrfeld
- 02.07.00 Taufflug: Friedrichshafen - Friedrichshafen
- 13.07.00 Ersttagsbrief 100 Jahre Zeppelin: Friedrichshafen - Kirchheim/Teck
Alle Belege können bei Flugpost Kurier, Pestalozzi Kinderdorf, D-78333 Stockach bezogen werden.
Wolfgang v. Zeppelin
04.12.00
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