Neues vom Zeppelin NT



Die Flugerprobung wurde erfolgreich fortgesetzt. Bis zum 16.11.1999 wurden 124 Flüge mit insgesamt 400 Stunden absolviert.
Die Schwerpunkte der Versuche waren: Erproben von Steuertechniken und Abläufen bei simulierten Gefahrensituationen, beispielsweise das Durchführen einer Landung oder Manöver am Boden mit ausgefallenem hinterem und/oder vorderem Triebwerk und einem 500 kg schweren Luftschiff. Diese Tests waren erfolgreich und haben gezeigt, daß das Schiff auch wenn ein oder zwei Triebwerke ausfallen noch voll steuerbar ist. Auch das Verhalten des Luftschiffes bei geringen Geschwindigkeiten wurde weiter untersucht.

Am 15.09.1999 war ein Fernflug nach Oberpfaffenhofen bei München angesetzt. In Oberpfaffenhofen befindet sich das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt. Dabei wurde das Flugverhalten bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und bei modifizierten Einstellungen der Software für die Ruderbewegungen festgestellt und gemessen. Außerdem führte die Crew Anflüge mit Hilfe der Anzeige von Navigationsinstrumenten durch. Dabei wurde festgestellt, daß man mit Unterstützung der Instrumentierung (IFR) ohne Probleme auch bei schlechter Sicht Landeplätze anfliegen und dort landen kann. Auf dem Flugplatz in Oberpfaffenhofen wurde ohne Bodenunterstützung gelandet und gestartet, was die Crew des gerade dort stationierten WDL-Luftschiffes KÖNIG PILSENER sehr beeindruckte. Nach 5 Stunden und 35 Minuten Flugzeit und 420 km Flugstrecke kehrte der Zeppelin NT in seine Werft in Friedrichshafen zurück.

Ein weiterer Versuch galt der Befestigung von Werbebannern. Um eine schnellere und weniger aufwendige Umrüstung des Luftschiffes für Werbeaktionen zu realisieren, ist das Anbringen von Werbebotschaften in Form von Bannern an dem Zeppelin NT vorgesehen. Da seine Geschwindigkeit und Wendigkeit wesentlich höher als bei den heute üblichen Werbeluftschiffen ist, muß auch die Befestigung der Banner sorgfältig geprüft werden. Bei einer Versuchsfahrt mit einem Banner wurde festgestellt, daß die übliche Befestigung nicht ausreicht. Hier müssen bessere Lösungen erarbeitet werden.

Ein Höhepunkt des 2. Halbjahres 1999 war ein Fernflug über der Schweiz. Am 7. Oktober 1999 startete der Zeppelin NT - amtliches Kennzeichen D-LZFN - um 9.30 in Friedrichshafen mit 3000 Flugpostbelegen an Bord.
Diese Flugpost wurde anläßlich 75 Jahre erste Atlantiküberquerung eines Zeppelin-Luftschiffes im Jahr 1924 durch das Luftschiff LZ 126 vom Verein der Freunde der Kinderdorf Flugpost zu Gunsten des Pestalozzi Kinderdorfes Wahlwies durchgeführt.
Der Flug war anfangs durch dichten Nebel beeinträchtigt. Die Route führte nach Westen über den Bodensee und dann das Rheintal abwärts. Über Schaffhausen und dem Rheinfall lag noch Nebel, der sich jedoch rechtzeitig bei Erreichen der Landesgartenschau in Weil lichtete. Die zahlreichen Besucher der Gartenschau freuten sich sehr als das Luftschiff über ihnen erschien und einige Flugmanöver zeigte. Es ging weiter nach Kandern, wo Schulkinder dem Zeppelin NT einen begeisterten Empfang bereiteten in dem sie ein großes Transparent mit der Aufschrift KANDERN GRÜSST DEN ZEPPELIN auf dem Schulhof auslegten. Es war eine Stimmung wie in der Zeit der großen Zeppeline. Die nächste Station war das Flugfeld Fricktal-Schupfart bei Basel. Dort wurde der Postsack - wie vor 75 Jahren von LZ 126 auf seiner Fahrt nach Nordamerika - an einem Seil aus ca. 10 m Höhe abgelassen und von Haimo Wendelstein in Empfang genommen, der dann die Flugpost der Schweizer Post übergab. Dann ging's weiter nach Bern via Olten - Langenthal - Burgdorf. In Bern wurde ein 10minütiger Rundflug vor der Stadt gemacht. Dann führte der Flug über Burgdorf - Dürrenroth - Zell - Willisau - Wolhusen und Malters nach Luzern. Es folgte ein Rundflug über dem schönen Vierwaldstätter See in dessen Verlauf sich der Zeppelin NT über Weggis, Meggen und Küsnacht zeigte. Der Weiterflug führte über Zug und Horgen nach Zürich. Über dem Zürichsee vor der Uferpromenade demonstrierte die Crew einen Schwebeflug. Bei Meilen wurde der Zürichsee verlassen, um dem traditionsreichen Flugplatz Dübendorf einen Besuch abzustatten. Dann wurde der Heimflug über Winterthur - Frauenfeld - Konstanz nach Friedrichshafen angetreten, wo das Luftschiff nach 8 Stunden und 5 Minuten Flugzeit so wie einer Flugstrecke von 650 km sehr glatt landete.

An Bord waren Scott Danneker (Chefpilot), Fritz Günther (Pilot), Dominique Marnière (Copilot) und Klaus Strasser (Flugversuchsingenieur). Bei dem Flug bewährte sich das Luftschiff auch über der schönen Schweiz, deren Topographie ja besondere Ansprüche an Luftschiffe und deren Führung stellt. Das zweite Luftschiff vom Typ LZ N07 soll ja in der Schweiz u. a. für Touristik betrieben werden. Der Zeppelin NT wurde von Schweizern, die schon immer ein besonders gutes Verhältnis zu den Zeppelinen hatten, überall begeistert begrüßt.

Die Flugpost-Belege können über den Flugpost Kurier Wahlwies, Pestalozzi Kinderdorf, D-78333 Stockach im Abonnement oder auch einzeln bei der Firma Hermann E. Sieger, Venusberg 32-34, D-73545 Lorch/Württemberg, bezogen werden.

Wolfgang von Zeppelin
17.11.1999
(c) Verein d. Freunde d. Kinderdorf Flugpost
(c) Verein d. Freunde d. Kinderdorf Flugpost
Abb 1: Flugpost-Beleg "75 Jahre erste Atlantiküberquerung eines Zeppelin-Luftschiffes"


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